Genossenschaft |
21.12.2018 07:00 Uhr

Danke für 31 Jahre!

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

Unser Kaufmännischer Vorstand, Siegfried Stavenhagen, hatte am 21. Dezember 2018 seinen letzten Arbeitstag. Nach 31 Jahren in unserer Genossenschaft bedanken wir uns für sein Schaffen und lassen ihn natürlich auch zu Wort kommen.

Danke für 31 Jahre in unserer Genossenschaft © FZWG
Danke für 31 Jahre in unserer Genossenschaft © FZWG
Lotte. ständige treue Begleiterin von Herrn Stavenhagen beim Richtfest unseres WINOVA Servicewohnens am 30.09.2016 © FZWG
Lotte. ständige treue Begleiterin von Herrn Stavenhagen beim Richtfest unseres WINOVA Servicewohnens am 30.09.2016 © FZWG
Mitarbeiter*innen gratulierten Herrn Stavenhagen zum 60. Geburtstag © FZWG
Mitarbeiter*innen gratulierten Herrn Stavenhagen zum 60. Geburtstag © FZWG

„In Gedanken versunken blicke ich auf ein Bild in meinem Büro. Es scheint ein altes Bild zu sein, mit einem dicken goldenen Rahmen und einer Leinwand, bemalt mit einer Vase voller Feld- und Wiesenblumen. Neben der Vase ist ein Glas Wasser zu sehen und die Tischdecke zieren herabgefallene Blütenblätter. Das Bild gehört eigentlich woandershin, aber seit 31 Jahren begleitet es mich bei meiner Arbeit in der Genossenschaft. Damals, am 15. April 1987, fing alles an. Ich teilte mein Büro mit Otto Wahl, dem ehemaligen Geschäftsführer der damaligen AWG „Frohe Zukunft“, der seine letzten Tage im Arbeitsleben mit intensiven Zeitungsstudien verbrachte. Über ihm hing das alte Bild mit dem goldenen Rahmen. Auf einem leeren Tisch sollte dann mal ein Computer stehen, ein PC1715 aus Sömmerda, den der damalige Geschäftsführer Dieter Birke durch einen Deal mit der Bezirksleitung ergatterte. Bis sich dann die Ereignisse im November 1989 überschlugen, blieb nicht mehr viel Zeit zum Programmieren und Organisieren.
Softwarefirmen aus dem Westen witterten zur Wende schnell ihr Geschäft im Osten, um „Aufbauarbeit“ zu leisten. So ließ eine Einladung einer Firma aus dem Norden zur Präsentation ihrer wohnungswirtschaftlichen Software nicht lange auf sich warten. Wir hatten Westgeld aus unseren Privatbeständen zusammengekratzt und fuhren mit dem Zug, der noch an der Grenze halten musste, die Nacht durch nach Hamburg. Schließlich waren wir begeistert von den bisher ungeahnten Möglichkeiten zahlreicher Programme für Buchhaltung, Mitglieder- und Bestandsverwaltung. Der dafür benötigte Rechner IBM AS 400 wurde über ein ERP-Kredit finanziert und fand seinen Platz in meinem ehemaligen Büro, in dem das Bild hing.
Mit viel Enthusiasmus fütterten die Mitarbeiter den Rechner mit Daten, die zusammengetragen und allesamt von Hand eingegeben werden mussten. Der Start in die freie Wirtschaft war mit Unterstützung der EDV und dank der fleißigen Mitarbeiter erst einmal geglückt.
Als ich vom ersten gewählten Aufsichtsrat unserer Genossenschaft gefragt wurde, ob ich mich als Vorstand bewerben würde, zögerte ich nicht lange. So wurden Dieter Birke und ich zum 7. Februar 1991 als Vorstand der im Genossenschaftsregister eingetragenen WG „Frohe Zukunft“ e.G. bestellt.
Der enorme Reparaturstau und die überfüllten Wartebereiche in der Geschäftsstelle an den Sprechtagen sollten schnell der Vergangenheit angehören. Dachten wir jedenfalls. Doch die Realität holte uns schnell ein: trotz der schrittweisen Anhebung der Nutzungsgebühren konnten die sogenannten Altschulden nicht abgezahlt werden."

Die 50er Jahre © FZWG
Die 50er Jahre © FZWG
Ein Blick auf die Baustelle © Otto-Heinz Kummer
Ein Blick auf die Baustelle © Otto-Heinz Kummer
Die Geschäftsstelle in den 70er Jahren © FZWG
Die Geschäftsstelle in den 70er Jahren © FZWG

"Das Altschuldenhilfegesetz sollte uns dabei helfen. Für den Teilerlass der Schulden mussten im Gegenzug Wohnungen privatisiert werden. Somit sind viele Mitglieder unserer Genossenschaft in den Genuss gekommen, ihre Wohnung zu kaufen und somit Eigentümer zu werden.
Die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten: struktureller Leerstand. Schnell war klar, dass leer stehende Wohnungen auf Dauer hohe Kosten verursachen. Die Entscheidung zum Leerzug und Abriss von Wohngebäuden mit hohem Leerstand war für die Wohnungswirtschaft in den neuen Ländern richtungsweisend und für die Banken zunächst schockierend. Viele Gespräche mit ihnen führten schließlich zum Umdenken und Vertrauensgewinn.
Viel zu lange wurde überlegt, wie wir mit der Sanierung des Wohnungsbestandes umgehen. Geld der Genossenschaft auszugeben heißt Verantwortung übernehmen. Daran musste man sich erst einmal gewöhnen, insbesondere wenn es um sechsstellige Beträge ging. Prioritäten wurden gesetzt: Fassaden, Fenster, Dächer, Stränge usw. Dafür mussten neue Kredite her, die uns zunehmend belasteten.
Zum 1. Januar 2003 übergab Dieter Birke den Staffelstab an Frank Sydow, der sich die Jahre zuvor intensiv um die Privatisierung nach Altschuldenhilfegesetz bis zum ersehnten Abschluss des Prozesses durch die Bestätigung des „Nichtvertretenmüssens“ gekümmert hat.
Als dann die Neuschulden immer weiter anstiegen, ließ sich mein neuer Vorstandskollege von der Idee zur Gründung einer eigenen Spareinrichtung schnell begeistern. Das Konzept dazu überzeugte schließlich den Aufsichtsrat und auch die Vertreterversammlung.
Nach umfangreichen Vorbereitungsarbeiten, u.a. mussten wir beide uns auf die Schulbank setzen, erteilte uns die Aufsichtsbehörde die Genehmigung und am 12. März 2005 war es dann soweit. Sachsen-Anhalt hatte die erste Wohnungsgenossenschaft mit Spareinrichtung. Von Banken weitestgehend unabhängig hatten wir nunmehr mit diesem Finanzierungsinstrument und dem Vertrauen der Mitglieder und deren Angehörigen neue Möglichkeiten, den Wohnungsbestand weiter zu modernisieren, durch Zukauf zu erweitern und durch Neubau, angefangen mit dem BUSCH-BOGEN, neue Maßstäbe für das moderne Wohnen zu setzen."

Ein Zeitzeugenbericht der 1990er Jahre © FZWG
Ein Zeitzeugenbericht der 1990er Jahre © FZWG
Besucher zum Weltspartag © FZWG
Besucher zum Weltspartag © FZWG
Feierliche Eröffnung der Spareinrichtung © FZWG
Feierliche Eröffnung der Spareinrichtung © FZWG

"Infolge des rasant anwachsenden Einlagenbestandes der Spareinrichtung waren wir nun angehalten, die Refinanzierung der Gelder sicherzustellen. Ein Modell war die Vermietung von Verbrauchserfassungsgeräten an das dafür zum 1. Januar 2006 gegründete Tochterunternehmen. Schnell wurden die Vorteile der steuerlichen Organschaft zwischen Mutter- und Tochterunternehmen deutlich und es dauerte nicht lange, bis sich die Service GmbH als der Dienstleister für die Genossenschaft entwickelte, indem weitere Geschäftsfelder für sie erschlossen wurden.
Mit der noch stärkeren Ausrichtung auf den Kunden gewann der Firmenverbund, bestehend aus unserer FROHE ZUKUNFT Wohnungsgenossenschaft eG und FROHE ZUKUNFT Service GmbH zunehmend an Bedeutung, was schließlich die Entscheidung zur Verlagerung des Kundenservices inklusive Spareinrichtung in die Innenstadt von Halle (Saale) und zur Zertifizierung mit dem Siegel der Initiative „ServiceQualität“ Deutschland, beflügelte.
Mein Blick streift ein Foto, ein Gruppenbild meiner Mitarbeiter, für mich persönlich aufgenommen und handsigniert. Ich bin sehr stolz auf sie. Denn schließlich wäre das alles ohne sie und ohne den Gleichklang mit meinem Vorstandskollegen nicht möglich gewesen.
Die alte AS 400 ist schon längst durch moderne Server, die auch untereinander kommunizieren, ersetzt worden. Auch die Programme, die darüber laufen und uns helfen, die immer schneller verlaufenden Prozesse zu bewältigen, wurden inzwischen auf den neusten Stand gebracht. Die Bestandsmodernisierung schreitet weiter voran, das Spargeschäft floriert. Unsere Genossenschaft hat sich am Markt etabliert und ist wirtschaftlich stabil, fundamentiert durch eine verlässliche 10jährige Wirtschaftsplanung. Ob Servicewohnen, individuelles Wohnen oder Wohnen im Altbestand, unser Qualitätsanspruch ist ein Maßstab für gutes und solides Wohnen in unserer Genossenschaft."

Die Geschäftsstelle der FROHE ZUKUNFT Service GmbH © FZWG
Die Geschäftsstelle der FROHE ZUKUNFT Service GmbH © FZWG
Geschäftsstelle Leibnizstraße 1a  © FZWG
Geschäftsstelle Leibnizstraße 1a © FZWG

"Tag für Tag arbeiten wir dafür, leben unser Leitbild, halten unser abgegebenes Qualitätsversprechen und stellen uns neuen Herausforderungen. Die Zufriedenheit unserer Geschäftspartner, ganz gleich ob Mitglied, Sparer, Angehöriger, Nutzer, Servicepartner oder Dienstleister, ist uns zur Herzenssache geworden. Viele Stimmen, die uns erreichen, sind eine Bestätigung dafür.
Ich lehne mich zurück und bin zufrieden, so vieles zum Wohle unserer Mitglieder angestoßen und mitgestaltet zu haben.
Nun ist es an der Zeit zu gehen. Was bleiben wird, ist die Erinnerung an schöne, aufregende Arbeitsjahre und an tolle Kollegen. Was kommen wird ist ein letzter und hoffentlich ebenso erfüllter Lebensabschnitt, in dem ich mich ehrenamtlich für den Tierschutz engagieren werde.
Ich wünsche meinem Vorstandskollegen und den Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg und Freude bei ihrer Arbeit und bin fest davon überzeugt, dass unsere jüngeren Kollegen lernen werden, sich den neuen Herausforderungen zu stellen, denn für die Genossenschaft hat bereits eine neue Epoche angefangen.

Das Wohn- und Spargeschäft wird einem neuen Wohn- und Geschäftshaus weichen. Neben einer zentralen, modernen und serviceorientierten Verwaltung im Herzen unserer Stadt werden moderne Wohnungen entstehen.
Neue Wohnungen, vorrangig für Familien, werden auch im Paulusviertel und auf dem Grundstück in der Helmut-Just-Straße gebaut. Das Gebiet Frohe Zukunft wird in den nächsten 30 Jahren komplett umgestaltet und es werden neue, moderne, barrierearme Wohnungen entstehen.

Ich freue mich darauf, die Weiterentwicklung unserer Genossenschaft zukünftig aus einem anderen Blickwinkel betrachten und mitverfolgen zu können.“

Wir, die Kollegen der FROHE ZUKUNFT Wohnungsgenossenschaft eG, wünschen Ihnen viel Freude bei der geplanten ehrenamtlichen Tätigkeit im Tierschutz!

 

Ihr neues Zuhause in Halle

Wohn- und Spargeschäft
Große Steinstraße 8 | 06108 Halle (Saale)

E-Mail:
kundenservice@frohe-zukunft.de


Service-Telefon:
(0345) 53 00 - 181


Service-Telefax:
(0345) 53 00 - 192


Unsere Öffnungszeiten:

Mo - Do
09.30 - 18.00 Uhr
Fr 09.30 - 16.00 Uhr
Sa 09.30 - 14.00 Uhr

Anfahrt:

Tram Alle Linien Richtung Markt
Ausstieg Marktplatz/Joliot-Curie-Platz