Genossenschaft |
12.09.2018 08:30 Uhr

Tag des offenen Denkmals

An der „Grabungsstaedte“.

Am 09.09.2018 fand der Tag des offenen Denkmals deutschlandweit statt. Das Kunstwerk unserer Genossenschaft war eines der Denkmäler aus Halle (Saale). Gemeinsam mit der Künstlerin Dagmar Schmidt haben wir alle Kunstinteressierten der Stadt eingeladen, mit uns eine Wohn-Zeitreise zu unternehmen.

Hier findet der Tag des offenen Denkmals statt. © FZWG
Hier findet der Tag des offenen Denkmals statt. © FZWG
Viele Besucher an und in der Grabungsstaedte. © FZWG
Viele Besucher an und in der Grabungsstaedte. © FZWG
Besucher und Zuschauer der szenischen Lesung. © FZWG
Besucher und Zuschauer der szenischen Lesung. © FZWG

Zur Geschichte der Silberhöhe und des Plattenbaues.

Ende der 70er Jahre wurden im Stadtgebiet Silberhöhe die charakteristischen Plattenbauten errichtet, Wohnungen für die Beschäftigten in den Großbetrieben, z.B. im nahegelegenen BUNA und LEUNA.

In und nach den Wendejahren zogen viele Menschen und Familien hier fort. Seither standen viele Wohnungen leer und unsere Genossenschaft entschied sich in jenen Jahren dazu, als erstes Wohnungsunternehmen in Halle (Saale) unbewohnte Wohnblöcke rückzubauen oder abzureißen.

Der Plattenbautyp P2 wurde zwischen den 1960-90er Jahren über eine Million Mal errichtet und ist dadurch eng mit der DDR-Geschichte und deren Bürgern verbunden. Ein Kulturgut, das für nachwachsende Generationen erhalten und erlebbar gehalten werden sollte. So die Meinung der Künstlerin.

Das Schlafzimmer mit Grundriss-Puzzle. © FZWG
Das Schlafzimmer mit Grundriss-Puzzle. © FZWG
Stahlbeton © FZWG
Stahlbeton © FZWG
Die Natur erobert die Grabungsstaedte. © FZWG
Die Natur erobert die Grabungsstaedte. © FZWG

Das Konzept und die Idee!

Dagmar Schmidt nahm mit unserer Genossenschaft Kontakt auf, um ihr künstlerisches Konzept vorzustellen. Den Inhalt des Konzeptes für ein rückgebautes Wohngebäude geben wir kurz in 5 Punkten wieder.

  • Rückbau eines P2 Plattenbaus bis auf Erdgeschossniveau.
  • Wohnungen und Wohnräume inklusive der charakteristischen Möbel in Beton authentisch begehbar nachgestalten.
  • Der Natur wird freien Lauf gelassen, um sich den Boden Stück für Stück und über Jahre oder Jahrzehnte zurückzuholen.
  • Die Genossenschaft erfüllt die Sicherungspflichten und entfernt nur potentielle Gefahrenquellen aus dem Kunstwerk.
  • Das Kunstwerk darf nicht nur angesehen, sondern auch betreten werden (Auf eigene Gefahr!).

Das Konzept überzeugte, so dass das Projekt 2005 realisiert und nach Fertigstellung mit dem mfi Preis Kunst am Bau ausgezeichnet wurde. Die Fachjury äußerte sich wie folgt:

„Die Skulptur „Grabungsstaedte“ zeigt eine ungewöhnliche Verbindung von Kunst und Bau, denn sie formt den Abriss des Bauwerks um und fixiert es in seiner historischen und sozialen Dimension. Dabei öffnet die Künstlerin das ursprünglich Private – den Wohnraum – der Öffentlichkeit, während die umliegenden Häuser für den Betrachter verschlossen bleiben. Durch die Möglichkeit des Begehens macht sie die Historie des Standortes für den Menschen direkt erfahrbar und erhält gleichzeitig Erinnerungsspuren an das Wohnen in Gebäuden des industriellen Wohnungsbaus.“ (mfi Preis Kunst am Bau 2006)

Das Wohnzimmer. © FZWG
Das Wohnzimmer. © FZWG
Das Badezimmer. © FZWG
Das Badezimmer. © FZWG
Dagmar Schmidt im Gespräch. © FZWG
Dagmar Schmidt im Gespräch. © FZWG

Das Programm.

Um 15.00 Uhr wurden die Gäste durch den Schauspieler Tom Wolter begrüßt und zur szenischen Lesung am Kunstwerk eingeladen. Die szenische Lesung in der Grabungsstaedte beschäftigt sich mit der Frage, was Wohnen eigentlich ausmacht, was sich hinter Wohnungstüren und in Treppenhäusern abspielt und was die Räume über die in ihnen stattgefundenen Lebensgeschichten preisgeben. Das Publikum wurde durch kleine Animationsaufforderungen zum Akteur. Für das Script haben sich Schauspieler Tom Wolter und Künstlerin Dagmar Schmidt von George Perec „Das Leben Gebrauchsanweisung“ (Erstveröffentlichung 1978) inspirieren lassen. Das ist eine Geschichte über die Bewohner eines Pariser Hauses mit 99 Zimmern, ihre menschlichen Eigenarten und Marotten, ihre Lebensgeschichten, und wie sich das menschliche Leben in den Dingen, Wohnräumen und Zusammenhängen widerspiegelt.

Szenische, partizipative Lesung
Auszüge aus: Georges Perec, Das Leben Gebrauchsanweisung, 1978
(Deutsche Übersetzung: Eugen Helmlè)

Darsteller: Tom Wolter, Halle (Saale)
Mitwirkende: Publikum
Requisiten: Dagmar Schmidt
Skript: Dagmar Schmidt, Tom Wolter

„… er begann an das ruhige Leben der Dinge zu denken, an die Geschirrkiste voller Hobelspäne, an die Bücherkartons, an das harte Licht der nackten Birnen, die an ihrer Leitung baumelten, an das langsame Anordnen und Aufstellen der Möbel und Gegenstände, an die langsame Gewöhnung des Körpers an den Raum, an diese Summe winziger, nicht existierender, nicht erzählbarer Ereignisse … – alle diese winzigen kleinen Gebärden, in denen sich immer aufs zuverlässigste das Leben einer Wohnung zusammenfassen lässt und die hin und wieder, unvorhersehbar und unabwendbar, tragisch oder heilsam, vorübergehend oder endgültig von den plötzlichen Brüchen eines geschichtslosen Alltags durcheinandergebracht werden.“ (Georges Perec, Das Leben Gebrauchsanweisung, S. 212)

Begrüßung durch Tom Wolter. © FZWG
Begrüßung durch Tom Wolter. © FZWG
Gäste hören genau zu. © FZWG
Gäste hören genau zu. © FZWG
Gäste lauschen der szenischen Lesung! © FZWG
Gäste lauschen der szenischen Lesung! © FZWG

Zeit für Gespräche.

Im Anschluss fand ein reger Austausch zwischen Künstlerin, Schauspieler und Gästen statt. Dagmar Schmidt berichtet über die Entstehung, die Intension für das Kunstwerk und die kuriosen Funde, die sich in den Jahren in der Grabungsstaedte angefunden haben. Es ist erstaunlich, wie das Kunstwerk angenommen und genutzt wird. Einige Gäste erzählten in bildlicher Sprache, wie sie das Leben in der „Platte“ zu jener Zeit empfunden und erlebt haben. Manche Anekdoten brachten uns alle sehr zum Schmunzeln. Eine ganz besondere Stimmung, die uns alle in diesem Moment mit der Geschichte der Platte und dem Stadtteil Halle-Silberhöhe verband.

Wir danken allen Akteuren für einen schönen Tag des offenen Denkmals an unserer Grabungsstaedte!

Tom Wolter bei der szenischen Lesung. © FZWG
Tom Wolter bei der szenischen Lesung. © FZWG
Gesprächsrunde nach der szenischen Lesung. © FZWG
Gesprächsrunde nach der szenischen Lesung. © FZWG
Dagmar Schmidt und Tom Wolter im Austausch mit dem Publikum. © FZWG
Dagmar Schmidt und Tom Wolter im Austausch mit dem Publikum. © FZWG
 

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