„Aber da fängt man doch bei der Genossenschaft an!“

Zeitzeugen | 1990er Jahre

Sie begann im Februar 1990 ihre Arbeit in der Genossenschaft,
in einer Phase des gesellschaftlichen Umbruchs. Aber die gelernte Handelskauffrau hatte Erfahrungen in Sachen Bau und Wohnungen: Sie kam mit Erfahrungen aus der Baustoffversorgung und dann aus dem Wohnungsbaukombinat, wo sie zuvor im Wohnungswesen tätig war. „Mit der Wende wollte ich mich verändern, eigentlich bei der Stadt anfangen. Als ich dort gerade vorsprach, kam zufällig Herr Birke in das Zimmer des Stadtbezirksrats. Er sah mich und fragte: ‚Schmitti, was machst denn Du hier?’ Ja, wer mit Wohnungen zu tun hatte, kannte sich. Und ich sagte: ‚Ich suche Arbeit.’ Darauf er: ‚Aber da fängt man doch bei der Genossenschaft an!’, und lachte.“ So kam sie zur „Frohen Zukunft“, begann im Mitgliederbereich und organisierte Wohnungstausche. „Es herrschte ja nach wie vor ein riesiger Wohnungsnotstand.“

Unsere Zeitzeugin Martina Schmidt © FZWG
Unsere Zeitzeugin Martina Schmidt © FZWG
Ein Zeitzeugenbericht der 1990er Jahre © FZWG
Ein Zeitzeugenbericht der 1990er Jahre © FZWG
Ein Beispiel einer damaligen Mieterkarte © FZWG
Ein Beispiel einer damaligen Mieterkarte © FZWG

Das neue EDV-Zeitalter

Sie erinnert sich noch gut, wie das neue EDV-Zeitalter in der Geschäftsstelle mit der Datenerfassung begann: „Mieterkarten, Mietenkarten, Anteilskonten, alles, was noch auf Papier und Karten verwaltet und geführt wurde, musste in das System eingegeben werden. Wir haben Tage, Wochen, einschließlich der Wochenenden gesessen, sortiert und erfasst. Da hat das ganze Haus mitgemacht, da war jeder gefragt.“
Im selben Atemzug wie die Verwaltung für die neue Zeit „fit gemacht wurde“, qualifizierten sich auch die Mitarbeiter. „1991 habe ich mit der Qualifikation zum Kaufmann für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft im Fernunterricht begonnen und 1992 bei der IHK abgeschlossen. Das haben wir hier alle gemacht. Denn wenn wir schon nach bundesdeutschem Recht arbeiteten, dann wollten wir auch den entsprechenden Abschluss haben.“

Problematische Jahre

1993 wurden dann die neuen Abteilungen, sprich Referate gebildet. Martina Schmidt arbeitete in der Hausbewirtschaftung: „Ich hatte gleich zu Beginn die Südstadt. Wir waren acht Bewirtschafter und je ein Techniker, jeder zuständig für rund 1.000 Wohnungen. Wir waren ganz nah dran an unseren Mitgliedern.“
Die 1990er Jahre waren problematische Jahre. „Überall gab es unübersehbare Mängel“, sagt Martina Schmidt in der Rückschau. „Und es war schwer zu entscheiden, wo wir anfangen sollten. Neu gebaute Häuser waren nicht selten mängelbehafteter als die alten, weil die Plattenqualität so schlecht war. Es war eine angespannte Zeit.“

Nicht weniger anstrengend und aufreibend war die Zeit, in der nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen die Mieten erhöht und nunmehr die Betriebskosten nach tatsächlichem Verbrauch in Rechnung gestellt wurden. „Da gab es Widersprüche über Widersprüche.“
Aber, sagt sie, „wir haben jede Herausforderung mit Elan angenommen und gemeistert. Denn es ging um den Fortbestand der Genossenschaft.“ Feierte die im November 2014 ihren Erfolg mit einem guten 60. Geburtstag, ist Martina Schmidt schon seit Dezember 2013 im wohlverdienten Vorruhestand.

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Über die Autorin

Gemeinsam mit Cornelia Heller, Dipl. Journalistin aus Magdeburg, ließen wir mithilfe alter Dokumente, Erzählungen und Briefe unserer Mitglieder die Geschichte unserer Genossenschaft lebendig werden.

Durch die zahlreichen Einzelinterviews schuf Sie ein einzigartiges Zeitdokument.

 

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